Ist doch nun modern?

Ist doch nun modern?

„Ein Scheiß..“ denk ich mir, als ich wiedermal auf den Wecker schlag um den alle 5 Minuten wiederkehrenden Ton des Grauens zu unterbinden. „Weckwiederholung“ nennt man das. Ist nun modern, Wecker die das nicht haben, gehen in der Gesellschaft unter wie Kinder aus schlechtem Elternhaus in der Bildung.

Wie haben die das früher eigentlich ohne diese Weckwiederholung gemacht und gab es früher kein schlechtes Elternhaus? Antworten gibt mir mein verschlafenes Spiegelbild nicht. Nur die Zahnbürste mit dem 3-geteilten Bürstenkopf nickt mir im Mund immer wieder bestätigend zu. Die Biorepair Zahncreme tut ihren Dienst und das entkalkte Wasser spült die Reste aus.

Die Funkuhr zeigt mir frech, dass ich wiedermal spät dran bin. Wehmütig blicke ich zum Massageduschkopf, welcher mir mit seinen LED-Leuchten den Morgen bunt gestalten soll. Muss also das Deo mit den Silbermolekülen hinhalten. Das FCKW freie Treibgas tut den Rest und nebelt den Raum ein. Aber macht ja nichts, ist ja kein FCKW mehr drin und übers Ozonloch spricht die Welt eh nicht mehr. Das schlechte Elternhaus ist nun in Mode. Ist ja modern.

Aber heute schreit das spritzwassergeschützte Radio irgendwas von Traumhochzeit. Ach ja, die Royals. Kommen die eigentlich aus gutem Elternhaus, ist das das Ziel? Mein Blick fällt auf den lackbeschichteten Prospekt mit Barbies Traumschloss – wusste ich es doch.

Schnell noch ins T-Shirt aus Polyester. Dann bin ich startklar. Ah Moment – nicht ohne mein Smartphone. Meine nassen Finger streichen über den Touchscreen. „Nicht feucht berühren.“ schnellt mir die imaginäre Bedienungsanleitung aus recyceltem Material vor die Augen.

Ich muss verstohlen Grinsen. „Für Frauen ja manchmal ein echtes Problem.“ kommt es mir in den Sinn. Schnell stelle ich fest, das war Bild-Niveau. Mein Smartphone folgt aber mit UMTS meiner Anweisung und belastet die Datenflat, um Bild-online zu öffnen. Da ist sie wieder, die Traumhochzeit. Auch nicht mehr, als das Radio mit verraten hat.

Aber ist ja nun modern.

1 Kommentar 30.4.11 03:24, kommentieren

Ist sie nicht perfekt?

Ist das nicht die Frage, die uns heut zu Tage als Mann quält? Wir sehen Werbung, in Jeder scheint das Maß einer Traumfrau zu sein. Gebräunt, klasse Figur und natürlich der Mercedes, der einem sagt, wann man eine Pause einlegen muss. Überall sind sie und bestimmen die Richtlinie, die wir als „Perfekt“ ansehen.

Es grenzt schon an Selbstironie, dass das selbe Medium uns vorgaukelt, dass wir es dann nötig haben, uns mit einem Deodorant ein zu sprühen – mit dem Nutzen, dass die Frauen in Scharen zu uns kommen. „Urinstinkt“ haucht man uns in der Werbung zu und zieht dem Mann eine Haut aus Leder an.

Ja, Lack und Leder. Das Holz, aus dem Männerträume geschnitzt sind. Doch wie würde das Ergebnis aussehen, wenn wir uns daran setzen, unseren Männertraum in Frauenform aus dem Holz zu schnitzen?

Ecken, Kanten und ganz bestimmt keine Traumfigur. Aber ist doch klar, dass die Frauen auf uns zufliegen – wir haben ja das Deodorant, dürfte also nicht so schwer sein. Das Holz schnell verbrannt, wie es die Öl-Multis aktuell mit unserem Geld tun.

Moment, wo ist eigentlich das Klischee geblieben, dass Frauen nur unser Geld wollen? Da sind sie plötzlich. Die Karrierefrauen. Keine Kinder, bitte nicht kochen und schon gar nicht Wäsche machen. Perfekt sein. Geld haben. Am Besten im Vorstand einen Platz besetzen.

Wie sieht es eigentlich aus, wenn so eine Karrierefrau nun das Holzstück zur Hand nimmt und sich ihren Traummann schnitzt?

Perfekt?

1 Kommentar 30.4.11 03:00, kommentieren